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Was noch?

Schon wieder diese Leere..Einen weiteren Monat werde ich nicht aushalten. Schon wieder steh ich an dieser Grenze. Standing on the borderline. Ha, welch herrliches Wortspiel! Kein Mensch, kein Gefühl, einfach nichts, was mich hält.

Vor kurzem dachte ich glücklich zu sein. Dieses Gefühl schwindet und lässt mich, hier und völlig allein, zurück. Ich möchte nur ein Wort, nur ein Blick, nur eine winzige Geste, die mich hält. Die mich festhält, und mich abhält, ja, mich sogar aufhält.

Ich sitze und warte, nichts geschieht. Ich sitze allein - und sogar etwas einsam - und warte.

Ich kann keinen Monat warten. Ich kann nicht mal eine Stunde noch so leben. Ich will flüchten..weit,weit weg..

Was mach ich stattdessen? Ich rede mit den Menschen, die mich fallen, mich ertrinken lassen, ich  baue meine Fassade auf und keiner reißt sie nieder..

16.10.07 16:29


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Familienmensch

Ich bin kein Familienmensch, soviel steht fest. Also klar, die engere Familie (Mutter und Schwester, heutzutage auch liebevoll "Restfamilie" genannt), aber der Rest? Tante, Onkel, Großmutter usw. ?! Nein, nie im Leben. Feste und diese kurzen Urlaube, bei denen die Familie bei einem schläft und ein Unterhaltungsprogramm fordert sind nervtötend. Man baut Aggressionen auf und Verwandtschaft wird zum Feind (oder immerhin zu etwas, was man beginnt zu hassen).

Wo bleiben die Stunden, die man allein verbringt? Die Momente, in denen man froh ist, einfach niemanden bei sich zu haben? Weg! Es gibt keine Privatsphäre mehr, kein 'Ich' sondern das 'Wir'.

Was sagt die Werbung? 'Das Wir gewinnt'. Nein, das Wir nervt.

Wirklich, ich bin kein Familienmensch..

20.10.07 18:45


Wie ein Kreis

Zurzeit scheint sich nichts wirklich zu verändern. Alles wiederholt sich, variiert, aber endet nie. Wie ein Kreis.

Ich bin nun auf 48,5kg. Sehr ungesund, sehr krank. Aber mir geht es gut. Bis auf die Kreislaufprobleme und die sicherlich bald folgenden Schäden geht es mir prima. Letztens, beim Schwimmen, hörte ich ein Mädchen sagen: "Boah, du kannst so froh sein! Du bist soo dünn!" Ha. Fühlte ich mich geschmeichelt? War ich froh über diese Aussage? Nein! Ich war beleidigt. Kurze Zeit davor fragte mich ein anderes Mädchen, ob ich denn abgenommen hätte, wenn ja, dann sei das nicht gut. Paradox. Die eine, etwas übergewichtig, beneidet mich und meinen Zustand. Die andere, untergewichtig, warnt mich. Und ich kann letzterer nur zustimmen. Lasst es, bleibt fern von diesem Teufelskreis! Das Pölsterchen hier, die Rolle da: man gewöhnt sich dran! Hat man erstmal anorektische Züge oder leidet unter Bulimie, kommt man so schnell nicht raus. Jedes Gramm, das man zunimmt, lässt einen schuldig fühlen. Jedes Gramm, das man abnimmt, macht die Sache nur noch schlimmer - trotz Erfolgserlebnis.

Und, so dünn oder glücklich man sich auch fühlen mag, es ist nie Wirklichkeit. Sei es wegen dem Schaden, oder wegen der Einbildung. Ein Spiel von Sucht und Sehnsucht, doch nie Realität. Gebt den Traum auf, werdet gesund oder macht sonst was. Das Dünne, das Magere, ja, das ist alles andere als schön.

[Ein bisschen sehr 'ich-verändere-die-Welt-und-alles-wird-gut-mäßig, ich weiß auch nicht was los ist]

25.10.07 20:51


Was man darf

So, ein weiterer Blog. Und wieder handelt er vom Essen.

Welche Gründe kann es geben, nicht zu essen? Nunja, da hätten wir den simplen, hirnrissigen Grund: ich will 'schön' sein. Zum Thema 'schön' siehe vorheriger Blog. Hirnrissig, wie gesagt. Anderer Grund: die Übelkeit. Mehr oder weniger natürlicher Würgereflex nach dem Essen, meist aufgrund vorangegangener anorektischer Züge. Unzählige Gründe. Ich habe noch einen entdeckt.

Wieso überhaupt essen?

Er hatte darüber entschieden, wo ich wohnen darf. Beziehungsweise wo ich nicht wohnen darf. Er hat mir ein Land gestohlen, und wenn nicht das ganze, so jedoch einen großen Teil. Er hat mich meiner Freunde und meiner Vergangenheit, ja sogar meiner Persönlichkeit beraubt. Er hat mich mir beraubt.

Wieso also essen?

Er hat über grundlegende Dinge entschieden. Muss ich also funktionieren? Darf ich mich denn nicht wehren? Darf ich denn nicht ein Zeichen setzen, dass ich es als unnötig sehe, so wie ich jetzt lebe, zu essen?! Nein, darf ich eigentlich nicht. Denn ich darf mich ja nicht 'umbringen'. Ein Sterben auf Raten, in dem Sinne. Obwohl Leben an sich ja schon Sterben auf Raten ist. Zu philosophisch?

Nun: Ich wurde mir weggenommen. Demnach muss ich, als nicht wirklich ich-seiendes Wesen, nicht essen, richtig? Nein, klingt eigenartig. Aber trotzdem: Ich sehe es nicht ein zu essen.

25.10.07 21:00


Rückfall

Falsche Hoffnung ist hier das Stichwort. Eigentlich bin ich an den Pc gegangen, um zu lernen. Bestimmte Sachen in Erfahrung bringen, Texte lesen usw. Eben Lernen. Ich sehne mich nach jemandem, nach dem, der mich halten soll. Er ist grad nicht da. Er kann wahrscheinlich noch  nicht einmal etwas dafür, dass er nicht da ist. Er arbeitet. Ich warte. Ich will von ihm gehalten werden. Aber er ist nicht da. Doch ein spitzer, ja scharfer Gegenstand blitzt mir zu, obwohl er von einer Lederschachtel umhüllt ist. Ich packe ihn aus und er sticht in meine Haut, der schöne scharfe Gegenstand. Diesmal wird es tiefer und länger. Ich fahre mit der Spitze unter die Haut, hebe diese leicht an. Die Spitze des Gegenstandes färbt sich rot und die Flecken kleben hartnäckig. Nun fließt das Blut aus der eben erst entstandenen Wunde. Es strömt nahezu. Ich bin noch da.

Ich habe mir die falsche Hoffnung gemacht, ich sei glücklich. Nun werde alles besser, nichts könne mich mehr in den Zustand der Leere zurückreißen. Doch sie ergreift mich, diese Leere, immer dann, wenn ich es nicht erwarte. Sie baut sich vor mir auf, wölbt sich und nimmt mich völlig ein. Sie bedeckt mich wie tausende Liter Wasser und lastet auf mir. Sie erdrückt mich, nimmt mir die Luft zum Atmen, reicht mir etwas, womit ich einen halben Zentimeter neben meinen Pulsadern einen Schnitt machen kann. Ich könnte natürlich auch einen halben Zentimeter nach rechts gehen. Dann wäre ich geflüchtet. Ich hätte es mir leicht gemacht.

Einige Minuten später, mögen es meinetwegen 5 sein, ist diese - vorhin noch von Blut verdeckte - Wunde ein kleiner, schmaler Schnitt. Ein roter Faden, der sich durch mein Leben zieht. Das ist nicht genug. Es geht immer tiefer, schmerzhafter, wahrer, ehrlicher. Ich werde rückfällig, genau heute. Entweder ist es der Schwall der Leere oder die Provokation, die ich in letzter Zeit genossen hab. Oder vielleicht auch das Glück. Das vermeintliche Glück. Das war sicher schuld. Mh, jetzt sammelt sich das Blut zu einem dicken Tropfen. Ein dicker, trotziger Tropfen. Das ist immernoch nicht genug. Ich sollte eigentlich aufhören, meinen Zaubergegenstand weglegen und die Ärmel runterziehen. Genauso wie ich mehr essen sollte. Genauso wie ich mehr 'ich' sein sollte. Neulich sagte mir jemand 'Endlich ist meine Julia zurück'. Die Situation war folgende: Eine meiner Leere-Phasen setzte ein, mein Innerstes drang sozusagen heraus und schrie um Hilfe. Mochte man das? Nein. Das zerstört nämlich das Bild, das man von mir hatte. Nun gut, demnach wurde die Fassade wieder aufgebaut und alle jubeln, denn ich sei wieder zurück. 

Ich darf nicht traurig sein, denn das wär ja nicht ich. Ich darf nicht nicht-essen, denn das wär ja nicht ich. Ich darf das nicht, ich darf jenes nicht, denn es gefällt meiner Umwelt nicht. Provokation. Auf Provokation folgt Trotz.

Ich bin der dicke Bluttropfen, der dicke, trotzige Bluttropfen.

26.10.07 21:11


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